Grenzen und Genuss, Donnerstag, den 28.

Donnerstag, den 28.

Überprüfung

Die letzte größere Wanderung dieser Reise findet von Cha de Mato nach Xoxo statt.

von Cha de Mato nach Xoxo

von Cha de Mato nach Xoxo

1000m Höhenunterschied mit allen Vegetationen, die wir bisher gesehen haben. Eine Erinnerung und eine Festigung des bisher gesehen und erlebten. Was als leichte Wanderung gedacht war, bringt doch die Teilnehmer unterschiedlich an ihre Grenzen. So kann bisher offen gebliebenes noch aufgegriffen und „bearbeitet“ werden. Damit wird es richtig rund.

Stromversorgung auf Sto Antao

Stromversorgung auf Sto Antao

 

Ein Stopp in Povacao, ein wenig bummeln, bringt die Lebensgeister zurück. Ich frage einen uns entgegenkommenden Ingenieur, ob wir einen Blick in die Halle mit den Dieselgeneratoren werfen können, die die Insel mit Strom versorgen. Klar doch, einfach so. 2 neuere Generatoren tosen vor sich hin. Es ist für mich fast ein Wunder, dass es so gut funktioniert und es dafür recht wenige (na ja es sind schon einige) Stromausfälle gibt.

gemeinsam

gemeinsam

Was steht an für die nähere Zukunft, ist das Thema für die Abendrunde. Wir ziehen Karten, die es ausdrücken: Loslösung, Freiheit, Neuanfang, Begrenzungen abschneiden. Ach nee.

Das gemeinsame Abschlussessen am Hafen fällt aus, da wir eingeladen werden, bei dem 85. Geburtstag der Mutter der Hausbesitzerin Teil zu nehmen. Aus aller Welt sind die Familienangehörigen zu dieser Feier gekommen. Kapverdianer bleibt und ist man, egal wo man auf der Welt lebt.

 

Zeit für sich und uns, Freitag, den 1.

Freitag, den 1.

Alles rund machen

Die letzte Welle am Hafen und Abschiedsbummel durch die Stadt mit einem Einkehrschwung in einer

Morgens in Ponta do Sol

Morgens in Ponta do Sol an der Strandpromenade

Minibar. Ja so einfach kann man Räumen eine Atmosphäre geben. Das wäre in ihrer Heimatstadt der Renner.

Vittorino holt und mit dem Gepäck ab, denn jetzt geht es zum letzten Tag wieder nach Paul. Da der Strand, an dem ich ein Picknick geplant hatte, von den Wellen verschlungen wird, geht es gleich hoch in den Curral, der uns mit Sonne und Gesprächen zu einem erfüllten Nichts-Tun Tag mit einer Einführung in ökologischen Gartenbau einlädt.

nachhaltigen Landwirtschaft bei Alfred

nachhaltige Landwirtschaft bei Alfred

 

Ich überspiele meine Fotos, die Musik und die kleinen Videoclips auf einen Stick, den ich ihnen in die Hand drücke. Beide freuen sich über die spontane Aktion. Die Erinnerungen und das Gefühl dieser Reise soll lange in den Alltag hineinreichen. Ja da helfen Fotos und Musik und auch unsere Tagesschauen, da hinter jeder Geschichte eine weitere steckt.

Das gemeinsame Abendessen ist von ruhiger Abschiedsstimmung geprägt, sind wir doch in der kurzen Zeit sehr nahe gekommen.

Keine Sorge, es gibt doch Skype, das funktioniert auch hier am Ende der Welt.

Abschied vom gemeinsamen Jakobsweg, Samstag, den 2.

 

Samstag, den 2.

Abschied

Der Weg zum Hafen

Der Weg zum Hafen

 

Merkwürdig, auch wenn wir alles immer das gleiche gegessen und getrunken haben, geht es Hilke. schlecht, Kreislauf im Keller .Hatte sie gestern nicht mit voller Inbrunst gesagt, sie wolle nicht weg?

Markt in Mindelo

Markt in Mindelo

Hat der Körper als Auftrag genommen? Nützt jedoch nichts, der Flieger wartet. So fahren wir mit aller Hilfe, die möglich ist zum Hafen. Dort wartet Carla, extra mit Freund, um uns zu verabschieden. Carla hatte sogar Freundschaftsbändchen besorgt, Tränen fließen.

Die Überfahrt verläuft ruhig und Hilke legt sich in mein Hotelzimmer, das ich extra noch gebucht hatte, um die Beiden noch bis zum Flieger bringen zu können, um sich noch auszuruhen.

So bummele ich noch mit Anne. Durch die Stadt: Musik kaufen und letzte Eindrücke sammeln.

Pünktlich sind wir am Flughafen. Eine Gepäckkontrolle kann mit Humor genommen werden. Unbeholfen, schließlich ist erst  vor kurzem aus dem Provinzflughafen ein internationaler geworden, untersuchen die Beamten die riesigen Taschen in denen ganz viel typisch kapverdianische Mitbringsel sind. Das freut sie augenscheinlich.

Wettbewerb in Mindelo

Teenager-Kultur-Wettbewerb in Mindelo

 

Sicher sind die Beiden im Flieger und ich wieder allein.

Eine riesige Teenagerparty am Hafen, wo die besten jungen Tänzer traditioneller Tänze und moderne Minikinies gekürt werden versöhnt mich mit dem irgendwie leeren Abend.

Wenn wir doch auch unsere Tradition so liebevoll und die Moderne mit integrieren könnten.

Zeit für mich, Sonntag, den 3.

Sonntag, den 3.

Ein Hausfrauentag mit putzen, Wäschewaschen gibt mir die Gelegenheit, etwas wieder in der neuen Situation anzukommen.

Manu und seine Tochter, ein alleinerziehender Vater

Manu und seine Tochter, ein alleinerziehender Vater

Am Hafen treffe ich Otmar, der mit einem kapverdianischen jungen Mann mit seiner Tochter sich unterhalten. Wie quirlig die Kleine ist, und wie liebevoll und geduldig er mit ihr umgeht.

Tatsächlich findet man hier kaum quengelnde du weinende Kinder. So ganz anders werden sie hier in das Leben integriert.

Die Gruppe bei Teresa ist neu zusammengestellt und bringt ausgelassene Stimmung in den Raum. Manu ist auch da und fordert mich zum Tanz auf. Ober mich nach oben begleiten solle, es ist schließlich dunkel. Ja gerne, aber nicht mehr. O.k.

Oben angekommen: ich sei so wunderschön, sein Herz sei entflammt. An seinen Augen merke ich, dass er es ernst meint. Ihn scheint es wirklich erwischt zu haben. Ob ich ihm einen Kuss geben wolle. Um beijxo. Ich gebe ihn einen der üblichen Abschieds-Wangenküsse. Nicht einen richtigen? Nein, sorry. Nein? Nein! Oh tschulpa, tschulpa, entschuldige, ich wollte nicht zu nahe kommen und dreht sich um und geht etwas zerknirscht.

Auch das liebe ich hier an den Menschen, sie respektieren ein Nein, sie sind nicht aufdringlich. Wer eine nette Nacht/Zeit haben möchte, bitte, wer nicht, dann auch gut.

Ich rufe noch in Deutschland an, ob die Rückreise gut geklappt hätte, ja alles bestens und vielen Dank, sie seien noch ganz erfüllt.

Vorm Einschlafen schaue ich unsere aufgenommen Tagesschauen an, welch eine intensive Zeit.

Verbindungen hergestellt:Garopa gerettet, Montag, den 4.

So geht’s doch auch…

Montag, den 4.

Kein Strom, kein Wasser. Kenn ich schon, wird schon werden.

Garopa, der Edelfisch

Garopa, der Edelfisch

Ich kann einen großen Garopa am Hafen ergattern und will ihn nach ein paar Gesprächen in den Kühlschrank bringen. Komisch, im Dorf ist Strom, dann bei mir wieder auch? Nein, also liegt es am Haus. Nach ein paar Telefonaten kommt der Elektriker mit einem winzigen Köfferchen den Berg hinauf: es liegt an der Hauszuleitung. Der einfach um die Kontakten gewickelte Draht hatte sich verschoben. Nach einigem Zisch und dickem Geknister werden sie wieder fest gebogen. Nüsterklemmen? Sicherungen? Och….Geht doch auch so. Der Garopa ist gerettet.

Dazu gehören: Picknick am Strand, Dienstag, den 5.

Unverhofft kommt oft

Dienstag, den 5.

Strandpromenade in Ponta do Sol

Strandpromenade in Ponta do Sol

Ich sitze mit meinem Laptop an einer Hafenbar, um schon die Reise festzuhalten und aufzubereiten, als Manu mit einem erneuten Tschulpa vorbei kommt und mich Elisabeth zu einem Strandpicknick einladet.

Elisabeth, wie sie leibt und lebt

Elisabeth, wie sie leibt und lebt

Die Vorbereitungen dauern ewig und ich werde von Hand zu Hand gereicht, damit mir die Zeit nicht zu lang wird. Dann geht es an die Flugplatzmauer, wo ein Feuer entfacht, Stockfisch mit Reis und das, was noch in der Küche aufzutreiben war, gekocht wird.

 

Noch andere Freunde würden ein Picknick machen, ob ich auch mitkommen wolle.

Fischer beim Picknick

Fischer beim Picknick

Einige Fischer haben ihren Fang zu einer Art Paella verarbeitet und mangels genügend Teller werden herumliegende leere Wasserflaschen aufgeschnitten und zu Löffeln und Schalen umfunktioniert. Ein bunter Haufen an unterschiedlichen Menschen, die humorvoll miteinander umgehen.

Beim Aufbruch sammelt Elisabeth den Müll ein, die Anderen schauen etwas erstaunt, machen dann aber mit. Ja, sie liebe ihr Land, und ein wenig Erziehung könne nicht schaden.

Ein traumhafter neuer Weg, Mittwoch, den 6.

Nach der Reise ist vor der Reise

Mittwoch, den 6.

ruhiges Tal Ribeira de Duc

ruhiges Tal Ribeira de Duc

 

Ribeira da Duc

Ribeira da Duc, ein Traumtal

 

Mit Otmar entdecke ich ein zauberhaftes Tal, das leicht zu erwandern ist und ich gut als Einstieg für die nächste Reise nehmen kann. Das ursprüngliche hat nämlich eine Strasse bekommen und eignet sich nicht mehr dafür. Ich bin froh über die Alternative. Unterwegs spricht uns ein Bauer an. Ja, es sei schön, wenn Menschen aus fremden Ländern zu ihnen kämen, so könnten wir mehr zusammenwachsen. Seien wir nicht alle eine große Familie und müssten etwas für den Frieden in der Welt beitragen?

In der Bar, einem umgebauten Container treffen wir Totone. Er ist von seiner Reise zurück, aber völlig vergrippt. Kläglich sieht er aus. Ja auch Kapverdianer können sich erkälten. Ich drücke mein Bedauern aus, ihn heute Abend nicht singen hören zu können, wäre ich doch extra immer wegen ihm da, und wünsche ihm gute Besserung. Meine Anteilnahme freut ihn.

Mittwochs Abends im Gato Totone und Band

Mittwochs Abends im Gato Totone und Band

 

Bis später also.

Der Ersatzsänger, den sie gefunden haben ist gut, und Totone kämpft tapfer mit der Cavaquin und seiner Schnupfnase. Grinst aber, als ich mich freue, ihn zu sehen. Ein schöner Abend.

Die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück. Das klappt hier gut.

 

Ein schönes neues Tal: Ribeira do Duc, Mittwoch, den 6.

 

Mittwoch, den 6.

ruhiges Tal Ribeira de Duc

ruhiges Tal Ribeira de Duc

 

Ribeira da Duc, ein Traumtal

Ribeira da Duc, ein Traumtal

Mit Otmar entdecke ich ein zauberhaftes Tal, das leicht zu erwandern ist und ich gut als Einstieg für die nächste Reise nehmen kann. Das ursprüngliche hat nämlich eine Strasse bekommen und eignet sich nicht mehr dafür. Ich bin froh über die Alternative. Unterwegs spricht uns ein Bauer an. Ja, es sei schön, wenn Menschen aus fremden Ländern zu ihnen kämen, so könnten wir mehr zusammenwachsen. Seien wir nicht alle eine große Familie und müssten etwas für den Frieden in der Welt beitragen?

In der Bar, einem umgebauten Container treffen wir Totone. Er ist von seiner Reise zurück, aber völlig vergrippt. Kläglich sieht er aus. Ja auch Kapverdianer können sich erkälten. Ich drücke mein Bedauern aus, ihn heute Abend nicht singen hören zu können, wäre ich doch extra immer wegen ihm da, und wünsche ihm gute Besserung. Meine Anteilnahme freut ihn.

Mittwochs Abends im Gato Totone und Band

Mittwochs Abends im Gato Totone und Band

 

Bis später also.

Der Ersatzsänger, den sie gefunden haben ist gut, und Totone kämpft tapfer mit der Cavaquin und seiner Schnupfnase. Grinst aber, als ich mich freue, ihn zu sehen. Ein schöner Abend.

Die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück. Das klappt hier gut.

 

Abschluß im Curral, Donnerstag, den 7.

Donnerstag, den 7.

Hauptstrasse im Tal Paul

Auf dem Weg zum Alfred: Hauptstrasse im Tal Paul

Abschiedsbesuch im Curral. Es ist wie eine zweite Familie geworden. Ich sitze in der Sonne, drehe meinen Clip neu und beobachte, wie Touristengruppen orientierungslos in den Curral einmarschieren und sich umschauen, als wäre der Curral ein Zoogehege. Der Guide steht teilnahmslos daneben. So sollte man es echt nicht machen, beobachte ich jedoch immer mehr. Vielleicht nehmen wir demnächst „Touristengucken“ ins Programm auf.

Weg nach Chao cha Vaz

Taxifahrer am Weg nach Chao cha Vaz

 

Da ich ja noch ein wenig wandern wollte, nehme ich mit einem lachenden und weinenden Auge Abschied und laufe die Strasse herunter. Meine alten Wanderschuhe drücken und vermiesen mir ein wenig den Weg. Prompt hält Cau mit seinem leeren Reisebus an. Er war der erste, der uns damals noch mit seinem kleinen Alunguer gefahren ist. Alfred hat ihn viel unterstützt. Mittlerweile hat er einen großen Bus und karrt die Horden durch die Gegend. Zweimal ist er mit einer Gruppe an mir vorbei gefahren, obwohl er noch Platz gehabt hatte. Beinahe hatte ich es persönlich genommen. Nun hält er an, lädt mich ein und er erzählt von den Veränderungen, die ihm auch noch nicht wirklich gefallen. Aber was soll man machen?

An einer Kreuzung, wo er die wandernde Gruppe einsammeln soll steige ich aus und gehe zu Fuß weiter. Nach ein paar Metern hält mein Taxifahrer von letzter Woche an und sammelt mich ein, nein, kein Geld, einfach so. So komme ich in Etappen gut nach Hause.

Meine Füße danken es mir. Es ist so schwer, gute Schuhe zu finden. Nächstes Mal gehe ich mit Flippflopps, schlechter kann es nicht sein.

Abschied von Carla und Ponta do Sol, Freitag, den 8.

Freitag, den 8.

Carlas Projekt: Casa do Encontro

Carlas Projekt: Casa do Encontro

Ich freue mich auf Carla, denn sie ist das Wochenende in Ponta do Sol und wir haben noch viel zu feiern und besprechen. Auch will ich ihr ihren Lohn in die Hand drücken, so dass sie endlich ihr Diplom bezahle kann. So kann sie vielleicht eher eine Arbeit finden. Genauso bin ich gespannt darauf, was sie zu meiner zweiten Fuhre an Gerätschaften für ihr Projekt , Casa do Encontrar, sagt. (über ihr Projekt)

 

Ich hatte es ihr zwar schon aufgezählt und ihr Gesicht strahlt: Jetzt kann es richtig losgehen. Aber es zu sehen, ist schon etwas anderes. Ich mag es so, wenn sie sich freut.

Und ich freue mich, als ich eine herzliche Mail von den Teilnehmern bekomme, wie schön es gewesen wäre und dass es wohl lange vorhalten wird.

mein Lieblingsblick

mein Lieblingsblick vom Balkon in Ponta do Sol

 

Wind über Ponta do Sol, Santo Antao.

Wind über Ponta do Sol, Santo Antao

Ich packe die Tasche, bekomme noch Besuch von Teresa und einem Kaufinteressent für die Nachbarwohnung. Er sieht meine und würde diese gerne haben, so toll ist der Ausblick. Eben, deshalb behalte ich sie auch. Aber ich wünsche mir schon, dass er Teresa eine weitere Wohnung abkauft, damit das Haus mehr bewohnt ist und nicht verfällt. Das Klima hier setzt den Gebäuden schon sehr zu.

Als Otmar und sein Wanderfreund den Weg hoch stapfen gibt es noch einmal eine Einladung zu einem Kaffee. Ja, er würde gerne diese Wohnung für die Wintermonate mieten. Ihm würde ich sie auch überlassen, einem ganz Fremden nicht. Es ist schließlich meine Zweitheimat nicht einfach so eine Ferienwohnung. Wir tauschen die Adressen aus.

frischer Fisch direkt aus dem Boot

frischer Fisch direkt aus dem Boot

Ich organisiere noch viel frischen Fisch für heute Abend, Elisabeth hilft mir dabei und überbrücke die Wartezeit mit Filme machen.

Ein wunderschöner Abend mit Carla, Fotos überspielen und viel Fisch. Sie will noch zu einer Party zum internationalen Frauentag, morgen um 6 wäre sie bei mir und würde mir Kaffee machen. So mache ich noch meine eigene Abschiedsrunde. Für mich ist es schwerer als für meine Freunde: ich käme ja bald wieder. Tja. Espero que sim, hope so.