der kleine Jakobsweg

Samstag, den 16.

Die Reise beginnt

Carla steht am Hafen, denn wir wollen die TeilnehmerInnen gemeinsam abholen.

Carla und ich am Ponta da Aqua

Carla und ich am Ponta da Aqua

Sie freut sich, war sie doch das letzte Mal vor 4 Jahren in Mindelo. So mache ich, die Deutsche mit der Kapverdianerin von der Nachbarinsel eine kleine Sightseeingtour und erlebe auch die Stadt wieder ein wenig neu. Noch ist Zeit, Lino zu besuchen, einen Bekannten, den ich über eine Freundin kennen gelernt habe, die mit einem Kapverdianer verheiratet war und nach Mindelo ziehen wollte. In das Heimatland ihres nach langer Krankheit verstorbenen Mannes. Sie wollte uns ein Teil der Reise begleiten. Dazu kommt es leider nicht, denn sie wurde kurz vor Weihnachten tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Für uns alle ein großes Rätsel. Für Lino auch, und so trauern wir beide über eine liebe Person und um einen unrealisierten Traum. So schnell kann es gehen. Das wird mich und auch meine Gäste immer mal wieder auf der Reise beschäftigen. Leben, wann, wenn nicht jetzt.

Abendstimmung am Hafen von Mindelo

Abendstimmung am Hafen von Mindelo

Schließlich ist es Zeit zum Flughafen zu fahren und die Aufregung steigt, wer wird es sein?

Gerade die Richtigen! Wir freuen uns alle und nach einer kurzen Pause bummeln wir durch das Städtchen. Es ist so schön, meine Begeisterung geteilt zu sehen. Nach einem anregenden Abendessen im Chave geht es früh zu Bett. Carla (und mit ihr ihr Projekt ) hat im Sturm alle Herzen erobert. Wie schön!

 

Sonntag, den 17.

Ankommen auf Santo Antao

Der vorübergehende Abschied von Carla wird abgemildert durch das herzliche Willkommen im Curral von Alfred und Christine. Dies wird für die nächsten 3 Tage unser Basislager.

Ein gedeckter Tisch wartet auf uns und Alfred mit seinen Geschichten, Projekten und Plänen.

selbstgemachte Köstlichkeiten im Curral

selbstgemachte Köstlichkeiten im Curral

Er hat vor 30 Jahren den sanften Tourismus hier aufgebaut, organisiert immer noch höchst individuelle Reisen und hat mit liebevollem Blick noch weitere Pläne, was dieses Land weiter bringen kann. Nein, er sei kein Aussteiger (auch wenn es so aussieht), sondern ein Einsteiger. Die Zeit verfliegt, so viel Interesse besteht an seinen Ideen und Perspektiven.

Dennoch, ich „verordne“ eine Pause, ein Ausruhen, denn ich würde gerne mit ihnen zu Einstimmung noch eine kleine Tour machen.

Blick in eins der schönsten Täler von San Antao

Blick in eins der schönsten Täler von San Antao

Auf dem Weg nach Teixere finden wir einen Vorgeschmack darauf, was wandern hier bedeuten kann, Tipps, wie man die Berge hier und die anderen im Alltag im übertragenen Sinne besser bewältigen kann und wundervolle Ausblicke über das Tal bis hin zum Meer.

Köstlichkeiten aus der einheimischen Küche runden den ersten Tag ab.

 

 

Montag, den 18.2

Erste Ausblicke

ein Überblick auf der Passstraße

ein Überblick auf der Passstraße

Ein offener Pritschenwagen bringt uns über die Passtrasse zum Cova-Krater.  Wir halten öfters an,

damit ich die Pässe zeigen kann, die wir in den nächsten Tagen gehen werden. Erstaunen und leise Zweifel: ob wir das schaffen werden? Klar, schließlich fangen wir langsam an, damit wir in Übung kommen. Ich hätte bisher alle Teilnehmer gut durch die Reise bekommen. Das beruhigt.

Wolken am Kraterrand

Wolken am Cova-Kraterrand

Die Wolken kriechen über den Rand des Kraters und wir steigen zunächst durch die Wolken hinab,

Abstieg vom Cova nach Paul

Abstieg vom Cova nach Paul

bis das Tal in seiner ganzen Schönheit vor uns liegt.

Kaffeeplantage in Paul

Kaffeeplantage in Paul

 

 

 

Wir kaufen Kaffee da, wo er angebaut wird und freuen uns, dass wir mit den Tipps von gestern die doch recht lange Strecke mit Genuss gut bewältigen.

Im Curral angekommen, eröffnet Alfred, dass er mit der Installation der Programme auf den mitgebrachten Laptops einige Probleme hätte. Unsere Fachfrau verschwindet im Büro und beide werden für die nächste Zeit nicht mehr gesehen. Ja auch hier auf den Kapverden hat die Technik so ihre Tücken. So habe ich mit Hilke. Zeit zur Einstimmung über Gott und die Welt zu plaudern. Dass es auch in Tiefe geht, ist nicht verwunderlich, wird doch beim Wandern immer so einiges „losgetreten“.

 

Dienstag, den 19.

Der Tag 3

die "Messers Schneide"

die „Messers Schneide“, ein normaler Schulweg

Heute stehe ich vor einer Herausforderung: mich und die anderen gut über „die Messers Schneide“ zu

bringen. Franziska hilft dabei. An sich ist der Weg bei normalem Wetter nicht gefährlich, aber steil hoch und abfallend zu allen Seiten. Vorsicht ist gut, aber Angst kann einem ganz schön zu schaffen machen. Das habe ich selbst erlebt. Wir schaffen eine Atmosphäre der Vorfreude auf das Abenteuer und gelangen mit wunderbaren Eindrücken in das angrenzende Tal, das uns mit traumhaften Ausblicken, Ruhe und einer sorgfältig gepflegten Vegetation belohnt.

Anbau im Figueral

Anbau im Figueral

Ausblick ins Figueral

Ausblick ins Figueral

Maniokanbau

Maniokanbau

 

 

 

 

 

Auf dem Rückweg ins Haus treffen wir auf Touristengruppen, die mit den Minibussen mit kleinen Pausen durch die Gegend gekarrt werden. Nein, das ist echt nicht, das, was Reisen ausmacht. Viel sehen, wenig erfahren.

In der Sonne auf der Dachterrasse sprechen wir über die Erwartungen und Wünsche für Reise.

Freiluftstall

Freiluftstall in Figueral

Beides, Berufliches aber auch Persönliches wird deutlich und mit großer Ehrlichkeit zusammen getragen. Ja, das wird klappen, auch das Herz ist beteiligt.

So sensibilisiert gehen wir zu Abendbrot. Ein Missverständnis droht die Stimmung zu stören, kann aber geklärt werden. Ja das passiert, wenn man so nahe an seinen Themen und Gefühlen ist. Das kenne ich und bin doppelt wachsam, auch wenn es nicht immer zu verhindern ist. Aber man kann damit für das persönliche Weiterkommen gut arbeiten. Wir haben ja noch viel Zeit miteinander.

Die innere Reise hat begonnen.

 

Mittwoch, den 20.

Sammlung und Entscheidung

Ein Ruhetag in Ponta do Sol, bevor es morgen auf die eigentliche Reise geht, 7 Tage von Tal zu Tal.

Ausblicke

Ausblicke

Strandpromenade in Ponta do Sol

Strandpromenade in Ponta do Sol

Carla wird uns begleiten. Ich zeige Beiden meine Lieblingsplätze, die sie auch begeistern. Während Anne für sich sein möchte, gehe ich mit Hilke in meine Wohnung, um noch einige Sachen zu besorgen. Dort angekommen umfängt nicht nur mich tiefe Ruhe.

Es ist Zeit, das bisher Erlebte, sacken zu lassen. Neu Auftauchendes zu klären. Das nutzen wir, genießen das von der großen Carla für uns gekochte typische Essen mit ihr und Carla, bekommen einen unverfälschten Einblick in die kapverdianische Küche und schließen den Tag mit Musik und Tanz im Gato Preto ab. Ich merke, dass weiterhin bei Anne etwas gärt, nehme ihren Wunsch ernst, (erst einmal) in Ruhe gelassen zu werden. Hilke merkt es auch und kann schwer damit umgehen. So lenke ich sie mit Tanz ab. Elisabeth, eine ganz herzliche Kapverdianerin merkt Hilkes Bedrücktheit und nimmt sie mit ihrer Präsenz in ihre Arme und ihren Bann. Musik verbindet.

 

Donnerstag, den 21.

Auf den Weg

Im wahrsten Sinne der Einstieg in die große Reise.

Tiefe Ruhe auf Lagoa

Tiefe Ruhe auf Lagoa

Das Wetter spielt weiter mit und wir erleben eine

altes Wissen auf lagoa

altes Wissen darf nicht vergessen werden

große Weite und Ruhe auf der Hochebene, erfahren von einem alten Bauer etwas über fast

vergessene Heilkräuter und beginnen den Abstieg mit einem klaren Blick bis zum Meer.

Trotz der großen Schönheit ist irgendetwas noch nicht stimmig und Carla nimmt sich Anne an.

Wir steigen weiter in die Tiefe und ich sehe, wie Hilke und Anne etwas zurückbleiben und wieder näher rücken. Viele Veränderungen geschehen im Gehen, meist nebenbei. Fein.

So können wir uns auf Sr.Anteiro freuen, unsere erste Etappe. Er, ein ehemaliger Großgrundbesitzer alter Schule empfängt uns freudig  mit einem frisch gepressten Papayasaft. Das Gepäck ist auch schon da. Allerdings nicht im Haupthaus, sondern etwas weiter die Strasse hinunter, da er eine große Gruppe von, na was wohl, heute noch hätte.

Ich gehe auf die Barrikaden als ich merke, dass da wohl was in der Organisation nicht geklappt hat. Das Haus nicht geputzt, einfach nicht für Gäste fertig! Sr. Anteiro entschuldigt vielmals, verspricht, alles in Ordnung zu bringen. Was er auch tut. In 15 Minuten ist das Haus sauber, sogar mein geforderter Tisch und Stühle wurden herein getragen. Wir können einziehen, kreativ unseren Ankommensschluck gestalten und uns und unsere Leistung des heutigen Tages würdigen. So entsteht die Idee der Tagesschau, die uns durch die weitere Reise durch begleitet.

Willkommem bei sr. Anteiro

Willkommem bei sr. Anteiro in Cha Pedra

Die Videokamera wird aufgestellt und kreativ der Tag in Szene gesetzt.

Sr. Anteiro hat in unserem Gespräch verstanden, dass wir keine „normale“ Reisegruppe sind und gibt uns zum mehrgängigen Abendessen sein Wohnzimmer. Das ist Größe.

Wir finden auch eine Lösung für den Kaffee vor dem Frühstück.

 

Freitag, den 22.

Entdecken und genießen

Sr. Candidos Stolz, Grogue, Schnaps, vom Feinsten

Sr. Candidos Stolz, Grogue, Schnaps, vom Feinsten, das Haupterzeugnis der Kapverden

Der Dödeltag wird zu einem Genußtag. Nachdem wir ins Haupthaus umgezogen sind, Sr. Anteiro hat uns wirklich, wie versprochen, seine besten Zimmer gegeben, gehen wir ein Teil des Weges zurück zu Sr.Candido.

Da Carla als Übersetzerin dabei ist, gibt es bei der Grogueherstellungserläuterung einen bunten Mix aus Holländisch und Creol, und seine Freude, uns das zu erklären schwappt voll über, oder

eine der vielen Destillen von Zuckerrohrschnaps, Grogue

eine der vielen Destillen von Zuckerrohrschnaps, Grogue

war das umgekehrt, unser Interesse und unsere Freude prägt ihn? Beides, da es sich auch in der Likörfabrik wiederholt.

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten2

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten2

 

 

 

 

Wir lassen uns Zeit, und so wird die kurze Wanderung zu einem Tagesausflug. Was wohl das Thema der Tagesschau wurde? Klar: Genuss

 

Samstag, den 23.

Erste große Herausforderung: die Wanderung über Mocho nach Caibros.

Mocho

der Passweg Mocho von Cha Pedra nach Caibros

Pausen in Subidela

Pausen in Subidela

Blick auf Caibros

Blick auf Caibros

 

 

 

 

 

Carla ist ein wenig angeschlagen, war das doch ihre erste Wandertour und ihre Füße schmerzen immer noch ein wenig. Ich merke einen Gedankenfehler: Menschen, die auf Santo Antao leben müssten wandern und die Sonne gewöhnt sein. Stimmt nicht. Also heißt es, auf Carla genauso zu achten wie auf die anderen Teilnehmerinnen.

Ich frage sie, ob sie sich die Tour zutraue: es sei kein Problem, mit dem Gepäcktaxi mit zu fahren und in Caibros auf uns zu warten. Schließlich ist es besser, einen Tag Pause zu machen, als den Rest der Reise Malessen zu haben. Nein, sie will mitgehen.

Der Aufstieg auf über 950m fordert die Teilnehmerinnen ganz unterschiedlich: Carla mit ihrem eigenen Anspruch und ihren Füßen, Hilke bei sich zu bleiben und für sich zu sorgen und Anne, Anne stampf den Berg hinauf, als föchte sie einen anderen Kampf aus. Und ich? Ich bin mit der Hausforderung beschäftigt, wie ich alle ihren Freiraum geben und doch sie alle unter einen Hut bekomme. Ach so, der Berg ist auch noch da, will bezwungen und auch noch genossen werden.

Dachterrase bei Zeca in Caibros

Dachterrase bei Zeca in Caibros

Am Pass atmen wir auf, geschafft. Der Verbindungsweg und der Abstieg kann nur noch einfach werden. Denkste, nur einfach andere Herausforderungen.

Die Terrasse bei Zeca lädt uns ein, einfach schlapp sein zu dürfen und die Tagesschau geht?

Klar über Würdigen von Leistung“

Carla singt mit "alma"

Carla singt mit „alma“, der Seele Kapverdens

Ein reichhaltiges Dinner weckt wieder Lebensgeister und Carla singt. Wunderbare Interpretationen von Luras schönsten Liedern. Nur ihre Stimme und den Rhythmus geklopft auf der Tischkante.

 

 

 

 

Sonntag, den 24.

Sich treiben lassen

Nun endlich der versprochene Dödeltag:

von Caibros nach Tenerefe

von Caibros nach Tenerefe

Ich zeige nur das Tal nach Tenerefe, wo jede, wie sie will, sich einen schönen Platz aussuchen kann zum Für sich sein und zum Entspannen.

Flußlauf in Tenerefe

Flußlauf in Tenerefe

Es kam doch anders. Wo denn der Weg weiter hoch führe, als wir an Talende angekommen sind.

das verschwunsche Tenerefe

das verschwunsche Tenerefe

 

 

 

 

O.K. Ich führe sie hoch, wo wir einen Blick in das verwunschne Hoch-Tal werfen, eine gelöste Carla eine Fotosession auf einem Wasserspeicher veranstaltet und dann ein Bad in einem unten im Tal liegenden nimmt, wozu ich mich nicht traue, leider.

Wasserspeicher auf Santo Antao

Was man alles mit einem Wasserspeicher anfangen kann

Nun aber, bitte jede für sich.  Das hält nicht lange, denn wir treffen, ohne verabredet zu sein wieder beim Talausgang aufeinander. Kapverde macht es möglich: jede prötschelt auf der Terrasse so für sich hin.

Carla und ich

Erschöpfung darf sein

Gemeinsam und doch für sich, es geht, einfach, spielerisch und gelöst. Carla verschwindet um eine bestimmte Musik zu organisieren, von der Anne gesprochen hatte. Sie verschwindet im Haupthaus: Kapverdianer teilen.

Ich kann es überspielen und zur Abendrunde präsentieren. Alle tanzen. Rat mal, worum es bei unserer heutigen Tagesschau ging!

Beim Abendessen sind alle ein wenig unruhig und tuscheln. Carla verschwindet kurz in der Küche. Ich ahne etwas und halte still.

 

Montag, den25.

Weitergehen

Heute geht es zu unseren nächsten Etappe, Cha’Idgreja.

mein Gabentisch mit Kuchen,ERDBEEREN und SC's

mein Gabentisch mit Kuchen,ERDBEEREN und SC’s

Heute habe ich Geburtstag und es gibt keinen Kuchen beim Frühstück. Oder doch? Carla kommt mit Zeca im Schlepptau hoch, einen Kuchen in der Hand. Mit Kerzen und Erdbeeren, 5 ERDBEEREN und alle singen „happy birthday“ auf kapverdianisch! Anne und Hilke schließen sich an und überreichen mir ein leichtes, liebevoll und kreativ verpacktes Päckchen, SG mit Streichhölzern Aus wenig sooo viel machen! Es sei nur ein erster Danke für all das Gute, was sie bis jetzt erleben durften.

Ich bin sprachlos und Tränen fließen. Ich hoffe, ich kann weiterhin Gutes bewirken.

Cabo do Mocho

der Pass Cabo do Mocho

Anscheinend, den der nächste Aufstieg verläuft müheloser,

die Pausen werden eingefordert und besondere Ausblicke gemeinsam geteilt. Auf jede einzelne wird geachtet und so gelangen wir nach Cha d’Igreja.

weiter nach Cha d'Igreja

weiter nach Cha d’Igreja

Uns passierende Wanderer  erzeugen nur Bedauern, wie wenig sie von dem, was hier wertvoll ist, begriffen haben. Klar, ein bisschen lästern tut auch gut.

Haus am Weg,Mocho

Haus am Weg,Mocho

Bei Mite, unserer nächsten Gastgeberin (die für uns ihre Schlafzimmer ausgeräumt hat) wird weiter gefeiert. Und das Thema unserer Tagesschau ist: Wertschätzung.

Abendausklang auf dem Dorfplatz mit Musik und Einladung des Kioskbesitzers, einfach so.

 

Dienstag, den 26.

Nichts tun, und davon viel

Cruizinha

Cruizinha

Zeit für sich am Strand. Einer der 2 Strände der Insel, etwas eine Stunde entfernt lädt zum Baden ein, aber nur bis gerade zu den Knöcheln.

Strand bei Cruizinha

Strand bei Cruizinha

Für mehr ist die Brandung einfach zu heftig. Aber trotzdem schaffen wir es wieder, gemeinsam für sich zu sein. Als ich eher zurückgehen will, um sie mal allein zu lassen, schließen sich die Drei mit an. An einem schmalen Küstenweg entlang geht es nach Cruizinha zurück, einem unangenehmen Dorf, wo ich in der ganzen Zeit, in der ich über Santo Antao wandere, die einzigen Kinder mit Hungerbäuchen sehe. Dabei hat das Dorf viele gute Ressourcen, die es nutzen könnte, das sagen auch andere Bewohner von Santo Antao. Nein, sie tun es nicht. Es ist auch der einzige Ort, wo ich sehr auf meine Wertsachen achte. Vieles ist eine Frage des Focus.

was uns Kapverde bedeutet

was uns Kapverde bedeutet

Zum Abendessen malen wir gemeinsam ein Bild, was Kapverde und die Zeit hier für uns bedeutet. Es ist sehr bewegend geworden.

 

Mittwoch, den 27.

Integration

Unsere Abschiedswanderung. Den Küstenweg als Quintessenz der letzten Tage ist eine der längsten:

Küstenweg1

Küstenweg1

Nicht sonderlich große Höhenunterschiede, sondern lang. Da ist das Thema Achtsamkeit und Haushalten mit seinen Kräften. Ich habe den Weg in 4,5 Std geschafft, mit einer Gruppe auch schon mal 10, ohne groß zu trödeln. So sind wir froh, dass noch so viel Kuchen und Obst vom Nachbartisch übrig bleibt, eine Gruppe von 14 Franzosen. Hoffentlich nicht… doch, tun sie.

Basaltformationen am Küstenwanderweg

Basaltformationen am Küstenwanderweg

Küstenweg2

Küstenweg2

Immer mal wieder überholen wir uns gegenseitig. Aber es stört uns nicht so wirklich. Die bizarre Basaltformationen und der weite Blick auf das tosende blau-türkiesene Meer hält uns in seinem Bann. Oder haben wir es geschafft, eine innere Ruhe zu finden, die uns so schnell keiner mehr nehmen kann?

manuel's bar in corva

manuel’s bar in corva

7 Stunden brauchen wir, mit einigen Stopps, u.a. auch bei Manuel in seiner Bar. Er freut sich über uns, da er gerne Geschichten aus der weiten Welt hört. Er hat ein verkrüppeltes Bein und betreibt seine Bar unten in einer Senke am Weg hinter Fontainhas, wo es keine Strasse mehr gibt. Er klagt nie und beeindruckt durch sein Da und so sein.

Die Tagesschau handelt heute von Meer, Berge und Weite, bevor es zum Essen und Tanz zu Carlas Familie geht.

musik bei costas

Musik und mehr bei Familie Costa

5 Töchter, ein Enkel, ein Sohn, Mutter, Vater, Onkel. Alle in einem kleinen Haus mit 4 kleinen Zimmern, wovon eins in eine Bar umgewandelt wurde, damit etwas Geld herein kommt, denn keiner hat eine feste Arbeit. Es wird musiziert mit Gitarren und Cavaquinha, einer  kleinen Ukulelenart, Rasseln aus den Früchten einer Akazienart und mit gefüllten Blechdosen.

Die Lieder sind bekannt und alle singen mit. Eine Einführung in Batuko und kapverdianischen Merengue klappt auch mit schmerzenden Wanderfüßen. So geht das Leben auch.

Carla bringt uns noch zur Unterkunft und wir vermissen sie schon jetzt.

 

Donnerstag, den 28.

Überprüfung

Die letzte größere Wanderung dieser Reise findet von Cha de Mato nach Xoxo statt.

von Cha de Mato nach Xoxo

von Cha de Mato nach Xoxo

1000m Höhenunterschied mit allen Vegetationen, die wir bisher gesehen haben. Eine Erinnerung und eine Festigung des bisher Gesehenen und Erlebten. Was als leichte Wanderung gedacht war, bringt doch die Teilnehmer unterschiedlich an ihre Grenzen. Nun kann bisher offen Gebliebenes noch aufgegriffen und „bearbeitet“ werden. So wird es wieder rund.

Stromversorgung auf Sto Antao

Stromversorgung auf Sto Antao

Ein Stopp in Povacao, ein wenig bummeln, bringt die Lebensgeister zurück. Ich frage einen uns entgegenkommenden Ingenieur, ob wir einen Blick in die Halle mit den Dieselgeneratoren werfen können, die die Insel mit Strom versorgen. Klar doch, einfach so. 2 neuere Generatoren tosen vor sich hin. Es ist für mich fast ein Wunder, dass es so gut funktioniert und es dafür recht wenige (na ja es sind schon einige) Stromausfälle gibt.

gemeinsam

gemeinsam

Was steht an für die nähere Zukunft, ist das Thema für die Abendrunde. Wir ziehen Karten, die es ausdrücken: Loslösung, Freiheit, Neuanfang, Begrenzungen abschneiden. Ach nee.

Das gemeinsame Abschlussessen am Hafen fällt aus, da wir eingeladen werden, bei dem 85. Geburtstag der Mutter der Hausbesitzerin Teil zu nehmen. Aus aller Welt sind die Familienangehörigen zu dieser Feier gekommen. Kapverdianer bleibt und ist man, egal wo man auf der Welt lebt.

 

Freitag, den 1.

Alles rund machen

Die letzte Welle am Hafen und Abschiedsbummel durch die Stadt mit einem Einkehrschwung in eine

Morgens in Ponta do Sol

Morgens in Ponta do Sol

Minibar. Ja so einfach kann man Räumen eine Atmosphäre geben. Das wäre in ihrer Heimatstadt der Renner.

Vittorino holt und mit dem Gepäck ab, denn jetzt geht es zum letzten Tag wieder nach Paul. Da der Strand, an dem ich ein Picknick geplant hatte, von den Wellen verschlungen wird, geht es gleich hoch in den Curral, der uns mit Sonne und Gesprächen zu einem erfüllten Nichts-Tun Tag mit einer Einführung in ökologischen Gartenbau einlädt.

nachhaltigen Landwirtschaft bei Alfred

nachhaltige Landwirtschaft bei Alfred

Ich überspiele meine Fotos, die Musik und die kleinen Videoclips auf einen Stick, den ich ihnen in die Hand drücke. Beide freuen sich über die spontane Aktion. Die Erinnerungen und das Gefühl dieser Reise soll lange in den Alltag hineinreichen. Ja da helfen Fotos und Musik und auch unsere Tagesschauen, da hinter jeder Geschichte eine weitere steckt.

Das gemeinsame Abendessen ist von ruhiger Abschiedsstimmung geprägt, sind wir doch in der kurzen Zeit sehr nahe gekommen.

Keine Sorge, es gibt doch Skype, das funktioniert auch hier am Ende der Welt.

 

Samstag, den 2.

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Merkwürdig, auch wenn wir alles immer das gleiche gegessen und getrunken haben, geht es Hilke. schlecht, ihr Kreislauf ist im Keller. Hatte sie gestern nicht mit voller Inbrunst gesagt, sie wolle nicht weg?

Markt in Mindelo

Markt in Mindelo

Hat der Körper als Auftrag genommen? Das nützt jedoch nichts, der Flieger wartet. So fahren wir mit aller Hilfe, die möglich ist zum Hafen. Dort wartet Carla, extra mit Freund, um uns zu verabschieden. Carla hatte sogar Freundschaftsbändchen besorgt, Tränen fließen.

Die Überfahrt verläuft ruhig und Hilke legt sich in mein Hotelzimmer, das ich extra noch gebucht hatte, um die Beiden noch bis zum Flieger bringen zu können, um sich noch auszuruhen.

So bummele ich noch mit Anne. Durch die Stadt: Musik kaufen und letzte Eindrücke sammeln.

Pünktlich sind wir am Flughafen. Eine Gepäckkontrolle kann mit Humor genommen werden. Unbeholfen, schließlich ist erst  vor kurzem aus dem Provinzflughafen ein internationaler geworden, untersuchen die Beamten die riesigen Taschen in denen ganz viel typisch kapverdianische Mitbringsel sind. Das freut sie augenscheinlich.

Wettbewerb in Mindelo

Wettbewerb in Mindelo

Sicher sind die Beiden im Flieger und ich wieder allein.

Eine riesige Teenagerparty am Hafen, wo die besten jungen Tänzer traditioneller Tänze und moderne Minikinies gekürt werden versöhnt mich mit dem irgendwie leeren Abend.

Wenn wir doch auch unsere Tradition so liebevoll und die Moderne mit integrieren könnten.