Auf dem Weg: die große Reise beginnt, Donnerstag, den 21.

Donnerstag, den 21.

Auf den Weg

Über den Tälern von Santo Antao

Über den Tälern von Santo Antao, der Abstieg in Jao Alfonso

altes Wissen auf lagoa

altes Wissen darf nicht vergessen werden

Im wahrsten Sinne der Einstieg in die große Reise. Das Wetter spielt weiter mit und wir erleben eine große Weite und Ruhe auf der Hochebene, erfahren von einem alten Bauer etwas über fast vergessene Heilkräuter und beginnen den Abstieg mit einem klaren Blick bis zum Meer.

Trotz der großen Schönheit ist irgendetwas noch nicht stimmig und Carla nimmt sich Anne an.

Wir steigen weiter in die Tiefe und ich sehe, wie Hilke und Anne etwas zurückbleiben und wieder näher rücken. Veränderungen geschehen nebenbei im Gehen. Fein.

So können wir uns auf Sr.Anteiro freuen, unsere erste Etappe. Er, ein ehemaliger Großgrundbesitzer alter Schule empfängt uns freudig  mit einem frisch gepressten Papayasaft. Das Gepäck ist auch schon da. Allerdings nicht im Haupthaus, sondern etwas weiter die Strasse hinunter, da er heute noch eine große Gruppe von, na was wohl,  hätte.

Willkommem bei sr. Anteiro

Willkommem bei sr. Anteiro in Cha Pedra

Ich gehe auf die Barrikaden als ich merke, dass da wohl was in der Organisation nicht geklappt hat. Das Haus nicht geputzt, einfach nicht für Gäste fertig! Sr. Anteiro entschuldigt vielmals, verspricht, alles in Ordnung zu bringen. Was er auch tut. In 15 Minuten ist das Haus sauber, sogar mein geforderter Tisch und Stühle wurden herein getragen. Wir können einziehen, kreativ unseren Ankommensschluck gestalten und uns und unsere Leistung des heutigen Tages würdigen. So entsteht die Idee der Tagesschau, die uns durch die weitere Reise durch begleitet. Die Videokamera wird aufgestellt und kreativ der Tag in Szene gesetzt.

Sr. Anteiro hat in unserem Gespräch verstanden, dass wir keine „normale“ Reisegruppe sind und gibt uns zum mehrgängigen Abendessen  sein Wohnzimmer. Das ist Größe.

Wir finden auch eine Lösung für den Kaffee vor dem Frühstück.

Entdecken und genießen, Freitag, den 22.

Freitag, den 22.

Entdecken und genießen

eine der vielen Destillen von Zuckerrohrschnaps, Grogue

eine der vielen Destillen von Zuckerrohrschnaps, Grogue

Der Dödeltag wird zu einem Genußtag.

Sr. Candidos Stolz, Grogue, Schnaps, vom Feinsten

Sr. Candidos Stolz, Grogue, Schnaps, vom Feinsten, das Haupterzeugnis der Kapverden

Nachdem wir ins Haupthaus umgezogen sind, Sr. Anteiro hat uns wirklich, wie versprochen, seine besten Zimmer gegeben, gehen wir ein Teil des Weges zurück zu Sr.Candido. Da Carla als Übersetzerin dabei ist, gibt es bei der Grogueherstellungserläuterung einen bunten Mix aus Holländisch und Creol, und seine Freude, uns das zu erklären schwappt voll über, oder war das umgekehrt, unser Interesse und unsere Freude prägt ihn? Beides, da es sich auch in der Likörfabrik wiederholt.

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten2

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten2

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten

Köstlichkeiten aus Santo Antaos Garten

 

Wir lassen uns Zeit, und so wird die kurze Wanderung zu einem Tagesausflug. Was wohl das Thema der Tagesschau wurde? Klar: Genuss

Erste richtig große Herausforderung, Samstag, den 23.

Samstag, den 23.

Erste große Herausforderung: die Wanderung über Mocho nach Caibros.

Blick auf Caibros

Blick auf Caibros

Pausen in Subidela

Pausen in Subidela

Mocho

der Passweg Mocho von Cha Pedra nach Caibros

 

 

 

 

 

Carla ist ein wenig angeschlagen, ist das doch ihre erste Wandertour und ihre Füße schmerzen immer noch ein wenig. Ich merke einen Gedankenfehler: Menschen, die auf Santo Antao leben müssten wandern und die Sonne gewöhnt sein. Stimmt nicht. Also heißt es, auf Carla genauso zu achten wie auf die anderen Teilnehmerinnen.

Ich frage sie, ob sie sich die Tour zutraue: es sei kein Problem, mit dem Gepäcktaxi mit zu fahren und in Caibros auf uns zu warten. Schließlich ist es besser, einen Tag Pause zu machen, als den Rest der Reise Malessen zu haben. Nein, sie will mitgehen.

Der Aufstieg auf über 950m fordert die Teilnehmerinnen ganz unterschiedlich: Carla mit ihrem eigenen Anspruch und ihren Füßen, Hilke bei sich zu bleiben und für sich zu sorgen und Anne, Anne stampf den Berg hinauf, als föchte sie einen anderen Kampf aus. Und ich? Ich bin mit der Hausforderung beschäftigt, wie ich alle ihren Freiraum geben und doch sie alle unter einen Hut bekomme. Ach so, der Berg ist auch noch da, will bezwungen und auch noch genossen werden.

Dachterrase bei Zeca in Caibros

Dachterrase bei Zeca in Caibros

Am Pass atmen wir auf, geschafft. Der Verbindungsweg und der Abstieg kann nur noch einfach werden. Denkste, nur einfach andere Herausforderungen.

 

 

Die Terrasse bei Zeca lädt uns ein, einfach schlapp sein zu dürfen und

Carla singt mit "alma"

Carla singt mit “alma”, der Seele Kapverdens

die Tagesschau geht?

Klar über Würdigen von “Leistung“

Ein reichhaltiges Dinner weckt wieder Lebensgeister und Carla singt. Wunderbare Interpretationen von Luras schönsten Liedern. Nur ihre Stimme und den Rhythmus geklopft auf der Tischkante.

lazy sunday, sich treiben lassen, Sonntag, den 24.

Sonntag, den 24.

Sich treiben lassen

von Caibros nach Tenerefe

von Caibros nach Tenerefe

Flußlauf in Tenerefe

Flußlauf in Tenerefe

Nun endlich der versprochene Dödeltag: Ich zeige nur das Tal nach Tenerefe, wo jede, wie sie will, sich einen schönen Platz aussuchen kann zum Für sich sein und zum Entspannen.

Es kam doch anders. Wo denn der Weg weiter hoch führe, als wir an Talende angekommen sind. O.K.

 

das verschwunsche Tenerefe

das verschwunsche Tenerefe

Wasserspeicher auf Santo Antao

Was man alles mit einem Wasserspeicher anfangen kann

Ich führe sie hoch, wo wir einen Blick in das verwunschne Hoch-Tal werfen und eine gelöste

Carla eine Fotosession auf einem Wasserspeicher veranstaltet und dann ein Bad in einem unten im Tal liegenden nimmt, wozu ich mich traue, leider.

 

Nun aber, bitte jede für sich.  Das hält nicht lange, denn wir treffen, wie verabredet wieder beim Talausgang aufeinander. Kapverde macht es möglich: jede prötschelt auf der Terrasse so für sich hin.

Carla und ich

Erschöpfung darf sein

Dachterrase bei Zeca in Caibros

Dachterrase bei Zeca in Caibros

Gemeinsam und doch für sich, es geht, einfach, spielerisch und gelöst. Carla verschwindet um eine bestimmte Musik zu organisieren, von der Anne gesprochen hatte. Sie verschwindet im Haupthaus: Kapverdianer teilen.

Ich kann es auf den Player überspielen und zur Abendrunde präsentieren. Ratet mal, worum es bei unserer heutigen Tagesschau ging!

Beim Abendessen sind alle ein wenig unruhig und tuscheln. Carla verschwindet kurz in der Küche. Ich ahne etwas und halte still.

Weitergehen in Leichtigkeit, Montag, den 25.

Montag, den25.

Weitergehen

mein Gabentisch mit Kuchen,ERDBEEREN und SC's

mein Gabentisch mit Kuchen,ERDBEEREN und SC’s

Heute geht es zu unseren nächsten Etappe, Cha’Idgreja, heute habe ich Geburtstag und es gibt keinen Kuchen beim Frühstück. Oder doch? Carla kommt mit Zeca im Schlepptau hoch, mit einem Kuchen in der Hand. Mit Kerzen und Erdbeeren, 5 ERDBEEREN und alle singen “happy birthday” auf kapverdianisch! Anne und Hilke schließen sich an und überreichen mir ein leichtes, liebevoll und kreativ verpacktes Päckchen, SG mit Streichhölzern Aus wenig sooo viel machen! Es sei nur ein erster Danke für all das Gute, was sie bis jetzt erleben durften.

 

Ich bin sprachlos und Tränen fließen. Ich hoffe, ich kann weiterhin Gutes bewirken.

Haus am Weg,Mocho

Haus am Weg,Mocho

Cabo do Mocho

der Pass Cabo do Mocho

Anscheinend, den der nächste Aufstieg verläuft müheloser, die Pausen werden eingefordert und besondere Ausblicke gemeinsam geteilt. Auf jede einzelne wird geachtet und so gelangen wir nach Cha d’Igreja. Uns passierende Wanderer  erzeugen nur Bedauern, wie wenig sie von dem, was hier wertvoll ist, begriffen haben. Klar, ein bisschen lästern tut auch gut.

weiter nach Cha d'Igreja

weiter nach Cha d’Igreja

Bei Mite, unserer nächsten Gastgeberin (die für uns ihre Schlafzimmer ausgeräumt hat) wird weiter gefeiert. Und das Thema unserer Tagesschau ist: Wertschätzung.

Abendausklang auf dem Dorplatz mit Musik und Einladung des Kioskbesitzers, einfach so.

Nichts tun, und davon viel, Dienstag, den 26.

Dienstag, den 26.

Nichts tun, und davon viel

Cruizinha

Cruizinha

Strand bei Cruizinha

Strand bei Cruizinha

Zeit für sich am Strand.

Einer der 2 Strände der Insel, etwas eine Stunde entfernt lädt zum Baden ein, aber nur bis gerade zu den Knöcheln. Für mehr ist die Brandung einfach zu heftig. Aber trotzdem schaffen wir es wieder, gemeinsam für sich zu sein.

Als ich eher zurückgehen will, um sie mal allein zu lassen, schließen sich die Drei mit an. An einem schmalen Küstenweg entlang geht es nach Cruizinha zurück, einem unangenehmen Dorf, wo ich in der ganzen Zeit, in der ich über Santo Antao wandere, die einzigen Kinder mit Hungerbäuchen sehe.

was uns Kapverde bedeutet

was uns Kapverde bedeutet

Dabei hat das Dorf viele gute Ressourcen, die es nutzen könnte, das sagen auch andere Bewohner von Santo Antao. Nein, sie tun es nicht. Es ist auch der einzige Ort, wo ich sehr auf meine Wertsachen achte. Vieles ist eine Frage des Focus.

Zum Abendessen malen wir gemeinsam ein Bild, was Kapverde und die Zeit hier für uns bedeutet. Es ist sehr bewegend geworden.

Ein Teil der Reise geht zu Ende, Mittwoch, den 27.

Mittwoch, den 27.

Integration

Unsere Abschiedswanderung. Der Küstenweg als Quintessenz der letzten Tage ist eine der längsten:

Küstenweg1

Küstenweg Beginn

 

Küstenweg2

Küstenweg2

Nicht sonderlich große Höhenunterschiede, sondern lang.

Da ist das Thema Achtsamkeit und Haushalten mit seinen Kräften. Ich habe den Weg in 4,5 Std geschafft, mit einer Gruppe auch schon mal 10, ohne groß zu trödeln.

So sind wir froh, dass noch so viel Kuchen und Obst vom Nachbartisch übrig bleibt, eine Gruppe von 14 Franzosen.

Hoffentlich nicht… doch, tun sie.

Basaltformationen am Küstenwanderweg

Basaltformationen am Küstenwanderweg

 

Immer mal wieder überholen wir uns gegenseitig. Aber es stört uns nicht so wirklich. Die bizarre Basaltformationen und der weite Blick auf das tosende blau-türkiesene Meer hält uns in seinem Bann. Oder haben wir es geschafft, eine innere Ruhe zu finden, die uns so schnell keiner mehr nehmen kann?

manuel's bar in corva

manuel’s bar in corva

 

7 Stunden brauchen wir, mit einigen Stopps, u.a. auch bei Manuel in seiner Bar. Er freut sich über uns, da er gerne Geschichten aus der weiten Welt hört. Er hat ein verkrüppeltes Bein und betreibt seine Bar unten in einer Senke am Weg hinter Fontainhas, wo es keine Strasse mehr gibt. Er klagt nie und beeindruckt durch sein Da und so sein.

 

Die Tagesschau handelt heute von Meer, Berge und Weite, bevor es zum Essen und Tanz zu Carlas Familie geht.

musik bei costas

Musik und mehr bei Familie Costa

5 Töchter, ein Enkel, ein Sohn, Mutter, Vater, Onkel. Alle in einem kleinen Haus mit 4 kleinen Zimmern, wovon eins in eine Bar umgewandelt wurde, damit etwas Geld herein kommt, denn keiner hat eine feste Arbeit. Es wird musiziert mit Gitarren und Cavaquinha, einer  kleinen Ukulelenart, Rasseln aus den Früchten einer Akazienart und mit gefüllten Blechdosen.

Die Lieder sind bekannt und alle singen mit. Eine Einführung in Batuko und kapverdianischen Merengue klappt auch mit schmerzenden Wanderfüßen. So geht das Leben auch.

Carla bringt uns noch zur Unterkunft und wir vermissen sie schon jetzt.

Ständig unter Strom

Gerade in der Adventszeit, wenn die Häuser und Strassen mit Lichtern glänzen, ganz schnell noch so viel erledigt werden muß….

Was wäre, wenn die Lichter ausgingen?

Karusselll unseres Lebens. Ständig unter Strom.

Immer schneller dreht sich unser Karussell. Was wäre, wenn der Strom ausfiele, wie würden wir dann unser Leben gestalten?

Wie würde unser Leben hier aussehen, wenn

      wenn:

      über Tage oder mehrere Stunden der Strom ausfiele?

      Es nicht sicher wäre, wann das nächste Mal der Strom ausfiele?

      Wenn wir nur 2-3 Stunden am Tag Strom zur Verfügung hätten?

      Sicherlich (noch) unrealistisch, aber spannend mal darüber nach zu denken, wie wir unsere Schwerpunkte setzen würden, welche Lebensqualität wir darüber bekommen     könnten, auch jetzt schon – mit Strom.

 

Kommunikation ist Leben

können wir überhaupt noch miteinander reden?

Es ist gut, dass es Handys und Smartphones o.ä. gibt, so müssen sich Paare/Familien sich nicht gegenseitig anschweigen.

Reden ist silber, schweigen ist (gold) klick klick…

Wann haben wir mal zusammen gelacht, geredet, geschwiegen, gespürt, Verrücktes gemacht?

Vielleicht auch mal sich gegenseitig von den geheimen oder nicht ganz so geheimen Träumen und Wünsche erzählt. Welche Dinge im Leben will ich noch erleben, tun oder erreichen? Meine “Big Fife for Life”  Ein schöne Anregung dazu geben die Bücher von John Strelecky

Und, spannend ist, oft finden sich Wege, genau diese Herzenswünsche auch zu realisieren, wenn man sie mitteilt!