Stressreaktionen im Körper

Stress entsteht durch innere oder äußere Impulse. Ursprünglich ist Stress, der eine Kaskade von körperlichen Reaktionen auslöst eine Anpassungsleistung an eine Bedrohung, die unser überleben sichern sollt.

Alles ist darauf ausgelegt, sich schnell auf eine Flucht oder auf einen Kampf vorbereiten. Diese Körperreaktionen laufen, einmal ausgelöst völlig autonom ab.

Während sie ursprünglich darauf angelegt waren, nur kurz anhaltende Krisensituationen zu bewältigen, die positive Effekte für den Körper haben können, schädigt lang anhaltender Stress den Körper und schließlich auch die Psyche massiv. Viele aktuelle Krankheiten sind auf diese Stressreaktionen zurück zu führen.

Ein Verstehen, was bei uns im Körper abläuft erhellt auch die Phänomene, die wir bei einer chronischen Erschöpfung und bei einem Burn-Out beobachten. Ergänzen will die Ausführungen aus der Erkenntnissen der Gehirnforschung, der Traumatherapie und der Bindungstheorie, die einen umfassenden Erklärungsansatz und daraus abgeleitet wirksame Gegenmaßnahmen ermöglichen.

 

Was passiert im Körper bei Stress?

Ca 10 Mrd. Reize /sec. treffen auf den Körper und werden über die Amygdala gefiltert in das Lymbische System geleitet. Dort treffen sie auf dann Hypothalamus, welcher als das Verbindungsglied zwischen Emotionen und körperlichen Reaktionen wirkt. Der Entscheidet, wenn nicht schon vorher die Amygdala sich eingemischt hat, über das was wichtig ist: Stress oder nicht?

Wenn ja, dann…

Wird ein fein ineinander verwobenes Zusammenspiel von Nervenreaktionen und Hormonen im Körper in Gang gesetzt, dass nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche des Menschen beeinflusst.

Zunächst aktiviert der Hypothalamus in sekundenbruchteil den Sympathikus. Ein Nervensystem, das grundsätzlich für die Aktivitäten in unserem Körper zuständig ist.

Sein Gegenspieler, der Parasympatikus räumt ihm den Weg frei, in dem er in seinem Bereich die in diesem Zusammenhang unwichtigen Körperfunktionen wie Verdauung, Wachstum/Heilung, Sexualtrieb herunter fährt (Durch das Anspannen der Muskeln kann es jedoch in extremen Stresssituationen allerdings auch zum gegenteiligen Effekt kommen: Harndrang und Durchfall)

Mit den Nerven eigenen Höchstgeschwindigkeit werden dann durch den Sympathikus

sowohl Noradrenalin ausgeschüttet,

die ihm zugeordneten Organe wie Herz, Lunge, Verdauung informiert

als auch Impulse an eine Drüse, den Nebennieren geschickt, die Adrenalin freisetzen.

Adrenalin und Noradrenalin lenken die Signalübertragungen zwischen den Nervenzellen:

Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Muskeln werden mit mehr Sauerstoff versorgt und spannen sich an, der Speichelfluss wird vermindert. Das Blut fließt in die inneren Organe. Hände und Füße werden kalt, das Gesicht wir blass. Die Pupillen weiten sich, um mehr Licht zur Netzhaut durchzulassen. Der Körper ist Bereit für „Flucht“ oder „Kampf“.

Die Körpertemperatur steigt für den erhöhten Energiebedarf, die Schweißdrüsen werden angeregt, damit der Körper nicht überhitzt („Angstscheiß“) Die Atmung beschleunigt sich ( manche halten auch kurzzeitig den Atem an), die Bronchien weiten sich, so dass Gefühle von Atemlosigkeit oder Brustdrücken auftreten können.

Alles wie auf dem Startblock vor einem 100m Sprint.

Damit wir in solchen Gefahrensituationen aus wissen, woher die Gefahr genau kommt und wir schon im Vorweg unsere Bewegungen „planen“ können, setzt der Hypothalamus auch das Hormon Dopamin aus.

Dieses Hormon erhöht die Wahrnehmung und Bereitschaft der sensitiven und kreativen Gehirnbereiche, macht also wachsam und aufmerksam und spielt im Gehirn, da es in der Adrenalinsynthese eine wichtige Zwischenrolle hat deshalb eine Schlüsselrolle.

(nicht umsonst versuchen viele stimulierende „Drogen“ genau da anzusetzen Drogen wie Amphetamine und Cocain erhöhen direkt die Dopamin-Konzentration und bewirken so eine Art Glücksgefühl, den „Kick“. Andere Drogen und Medikamente wie Alkohol, Opiate und Benzodiazepine wirken indirekt durch Hemmung der Ausschüttung von Noradrenalin, wodurch die Wirkung des Dopamin verstärkt wird. Beim Drogenentzug entstehen Depressionen als Folge von Dopaminmangel)

 

Dies alles hält gerade maximal 15 Minuten vor. Da jedoch nicht reicht, werden weitere Hormon e mit weiteren Aufgaben über die Nebennierenrinde gebildet, das Vasopressin, das in der Niere dafür sorgt, das weniger Flüssigkeit ausgeschieden wird (Eine volle Blase würde bei Angriff oder Flucht behindern) und vor allen Dingen das Cortisol.

Cortisol selbst wird regelmäßig vom Körper während des Nachts gebildet, damit man morgens gut in den Tag starten kann. Aber bei Stress werden zusätzliche Mengen benötigt, damit der Körper sein Überleben sichern kann.

Urheber ist wieder der Hypothalamus, der über einen bestimmten Botenstoff (CRH) die Hypophyse stimuliert, ACTH auszuschütten, das das GO für die Nebenrinde ist, zusätzliches Cortisol zu produzieren. Dies dauert maximal 15-30 Minuten.

Cortisol, das selbst an bestimmte Eiweißstoffe gebunden ist,

mobilisiert die Glucose und Fettreserven,

senkt die Schmerzempfindlichkeit,

hemmt das Immunsystem und beschleunigt zum Schutz die Blutgerinnung.

Somit wird alles bereitgestellt, dass ein Kampf oder eine Flucht stattfinden kann.

 

Bei einer Entwarnung über den Hippocampus oder einer bestimmten Konzentration von Cortisol wird die Ausschüttung von ACTH gehemmt und eine Neubildung verhindert. So soll im Regelfall eine Überreaktion im Körper verhindert werden und Cortisol kann über bestimmte Zwischenschritte abgebaut und über die Niere ausgeschieden werden.

Die Gegenspieler DHEA, auch durch die Nebennieren gebildet, und Melantonin, gebildet aus bestimmten Aminosäuren, Vitaminen und Serotonin werden aktiv, und der Körper holt sich die nötige Erholung.

 

 

 

Wird jedoch die Nebenniere über längere Zeit durch ACTH stimuliert, kann sie sich vergrößern, wodurch sich die Cortisol-Produktion immens steigert. Der Körper schaltet dann auf Daueralarm, die Gegenspieler fallen ab und eine immer weitere Stressspirale beginnt.

Diese frisst bildlich gesehen die notwendigen Bausteine auf, die für die Produktion der Gegenspieler benötigt werden.

 

Besonders schlimm wird es, wenn keine Möglichkeit besteht, den Stress durch Bewegung aus zu agieren, und der Körper in eine äußere Starre verfällt, innerlich jedoch noch auf Hochtouren läuft.  Es kommt zu einem Kollaps, der körperlich vie auch psychische Auswirkungen hat.

Dieser Kollaps auf psychischer Ebene kann sich in Depression, Suizid, Abspaltungsphänomen äußern. „No Flight – no Fight = Freeze“

 

Trotz äußerlichem Funktionieren nimmt der Energiepegel immer weiter ab, man brennt innerlich aus.

Während eine Erschöpfung, die sich nach einer kurzzeitigen Anstrengung auch wie eine Depression anfühlen kann, zu einer normalen Regeneration dazu gehört, ist jene Situation meist von längerer Dauer und verändert sich meist nicht „automatisch“