Impressionen vom kleinen Jakobsweg

Der kleine Jakobsweg 9.2.-2.3.

In diesen einem Monat ist schon wieder so viel passiert, dass ich schon auf Seite 50 bin, und erst die Hälfte der Erlebnisse und Erfahrungen aufgeschrieben habe. Jeder Tag ist voll mit Begebenheiten mit mir, den TeilnehmerInnen, der Natur und den Menschen. Kleine und große Dinge, die einen bewegen, wenn man es zulässt. Deshalb habe ich auch gerade diese Insel für den „kleinen Jakobsweg“ ausgesucht.

Es ist schwer zu beschreiben, was diese Faszination ausmacht. Bilder, Musik und Geschichten können nur einen kleinen Teil wiedergeben, aber man kann einen ersten Eindruck bekommen.

Es ist die Mischung aus Afrika, Reste der Kolonialzeit (Portugal) und etwas ganz Eigenes, was diesen Menschen den besonderen Charme gibt. Ein Land, das noch vor kurzem eines der 4 ärmsten Länder war, und sich nun im Aufbruch befindet. Ein Land, das geprägt ist von einer unerbittlichen Natur, der Sehnsucht, Begegnungen und der Musik.

Nah, ursprünglich und (noch) unverfälscht. Das, was uns hier anhanden gekommen ist und wonach eine tiefe Sehnsucht herrscht. Wenn wir uns davon berühren lassen geschieht so etwas wie Heilung. Und da helfe ich bei, das ist meine Aufgabe als Coach und Reisebegleitung für diese innere und äußere Reise für diesen kleinen Jakobsweg. Es geschieht nebenbei, beim Wandern, bei den Begegnungen, mal leise, mal auch mit einem Knall. Bei jeder Reise, bei jedem Menschen

Palmen auf dem kleinen Jakobsweg

Palmen auf dem kleinen Jakobsweg

unterschiedlich.

Was in den 14 Tagen bei den TeilnehmerInnen passiert ist manchmal unbeschreiblich, und so viel, was da bewegt wird, findet manchmal in einem Jahr nicht statt. So ist jede Reise, jedes Dort und Da-Sein immer eine Herausforderung, die meine Grenzen erweitert und meine Liebe zu diesem Land, den Menschen und zu meiner Arbeit vertieft.

Was ich von den Kapverden  mitnehme: jede Menge Bilder, Musik, Grogue und immer wieder neue Geschichten. Ein paar Eindrücke will ich hier erzählen.

Hallo Kapverde, Samstag, den 9.

Wenn ich mit TeilnehmerInnen den kleinen Jakobsweg veranstalte, bin ich vorher schon einige Tage da

Ankommen im Flughafen Cesaria Evora, Kapverde

Ankommen im Flughafen Cesaria Evora, Kapverde

Zur Einstimmung, Vorbereitung, Eintauchen in „meine zweite Heimat“

 

Samstag, den 9.

Ankommen in Mindelo

Ich staune wie immer über die Veränderungen in der Stadt in Richtung „Moderne“

 

Es ist noch Karneval: die Studenten tanzen mit einfachsten Mitteln kreativ verkleidet durch die Strassen.

Karneval in Mindelo

Stärkung für den Karneval in Mindelo

Abends beim Karneval in Mindelo

Abends beim Karneval in Mindelo

Ich werde eingeladen, einfach mit zu machen. Im Restaurant grüßt mich mein Lieblingssänger der Band, die mittwochs in einem Club in Ponta do Sol singt. Er lädt mich zu seinem Tisch ein, weil er meine Begeisterung für seine Musik so toll findet. Einfach so.

Ich bin wieder da, Sonntag, den 10.

Sonntag, den 10.

Ich bin wieder da

der Hafen von Porto Novo und die Armas, Verbindung zur Welt

der Hafen von Porto Novo und die Armas, Verbindung zur Welt

Ich mache einen Zwischenstopp in Porto Novo und treffe mich dort mit Carla, der jungen Soziapädagogin, die die Gruppe auf der großen Wanderung mit begleiten wird.

Ich hätte sie gerne die ganze Zeit dabei gehabt, aber sie hat für 2 Monate einen Job bekommen. Gerade mal für150€ im Monat. Es gibt keine Arbeit, deshalb unterstütze ich sie mit Laptops, Spielkonsolen bei ihrem Projekt Casa do Encontrar, damit sie sich eine Arbeit schaffen, ihre Familie unterstützen und den Kindern von Ponta do Sol eine berufliche Zukunft geben kann. Ich habe wieder eine große Tasche für sie mit Geräten dabei, die ich für sie organisiert habe.

Fußball, Leidenschaft aller Jungs

Fußball, Leidenschaft aller Jungs

das neue Sportstadion in Porto Novo, der Stolz des Ortes

das neue Sportstadion in Porto Novo, der Stolz des Ortes

Sie zeigt mir den Stolz des sonst verschlafenen, armen und wenig anheimelndes Städtchens: ein neues Fußballstadion. Sie mag da nicht leben, aber hier ist ihre Arbeit und sie kann bei der Familie ihres Freundes wohnen. Die würden mich auch gerne auch einladen, aber sie könnten mir nur so wenig bieten, das beschäme sie, erklärt Carla. Aber einen Kaffee hätten sie doch..

Den nehme ich gerne an, denn Hunger  hätte ich keinen. So können alle ihr Gesicht waren.

Sonntags im Gato Preto

Sonntags im Gato Preto, Essen, Musik und Tanz

Mit dem Sammeltaxi geht es in meine Wohnung, die mich herzlich begrüßt. Carla hat sie liebevoll für mich vorbereitet.

Den Abschluss des Tages finde ich im Restaurant von Teresa, wo ich einige bekannte Gesichter treffe und Carlas Vater mit einer Band Musik macht. Die Touristen sitzen stocksteif da, die Einheimischen tanzen zu einer Musik, die einfach ins Blut geht.

Ein Hallo und erste Vorbereitungen, Montag, den 11.

Montag, den 11.

Ein Hallo und erste Termine

Blick vom Balkon auf den Wanderweg

Blick vom Balkon auf den Wanderweg

mein Lieblingsblick

mein Lieblingsblick vom Balkon über Ponta do Sol

Viele kleine Begegnungen im Städtchen versüßen mir mein Ankommen. Noch scheint alles im Dorf intakt zu sein, auch wenn die zunehmenden großen Reisegruppen auf der Durchfahrt, meist aus Frankreich, den Flair nachteilig verändern. Ich hoffe, dass Carlas Projekt und noch andere Maßnahmen diesem etwas entgegen setzen können.

Ich mache mit Otmar, einem Wanderwiederholungstäter, einen gemeinsamen Ausflug aus. Ich will einen etwas abseits gelegenen Weg, den ich vor Jahren mal gegangen bin, noch einmal gehen, um zu sehen, ob ich ihn für nächste Woche verwenden kann. Ich freue mich darauf.

Willkommen und Absprachen, Dienstag, den 12.

Dienstag, den12.

im Curral von Alfred Mandl

man trifft sich im Curral von Alfred Mandl

Letzte Absprachen vor Ort

Ich will nach Paul, zu Alfred, um mit ihm die letzten Einzelheiten der Reise durch zu sprechen. Zu spät merke ich, dass es Karnevals- Dienstag, der Tag mit den Umzügen ist und gerate gleich 3x (in Paul, Povacao und zuletzt in Ponta do Sol) in das bunte Treiben hinein.

Karneval in Povacao, Musik ist immer ein Thema

Karneval in Povacao, Musik ist immer ein Thema

Umzugswagen in Paul, alles, was mit dem Meer zu tun hat

Umzugswagen in Paul, alles, was mit dem Meer zu tun hat

RIMG0439

 

 

 

 

 

 

 

Aber es ist alles gut abgesprochen, das herzliche Willkommen im Curral, und die gemeinsame Freude auf „den kleinen Jakobsweg“ tun einfach gut und lassen mich die etwas umständliche Heimfahrt auch genießen.

Karneval in Paul, das Rio Santo Antaos

Karneval in Paul, das Rio Santo Antaos

Karnevalsvorbereitungen sind ein Fest an sich

Karnevalsvorbereitungen in Paul. Santo Antao, sind ein Fest an sich

 die Wirklichkeit des Karnevals, Spass und Freude

die Wirklichkeit des Karnevals, Spass und Freude

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Rückweg gehe ich noch in die kleine Bar von Carlas Familie um mit ihren den Abend abzusprechen, den ich bei ihnen für die Tour vorgesehen habe. Essen, Musik und Tanz  live, direkt mit einer Familie zusammen.  Sie sind schon richtig aufgeregt, ob es ihnen wohl gefallen würde? RIMG1040Da bin ich ziemlich sicher. Mit Grogue, kleinen Teigtaschen gut versorgt mache ich mich auf die letzte Etappe den Berg hinauf zur Wohnung.

Ein Testlauf Jao Alfonso, Mittwoch, den 13.

Mittwoch, den 13.

Testlauf Jao Alfonso

Über den Tälern von Santo Antao

Über den Tälern von Santo Antao, der Abstieg nach Jao Alfonso

Trotz Aschermittwoch bekommen wir doch noch ein Taxi zum Ausgangspunkt eines wunderbaren Wanderweges. An dessen Ende treffen wir auf Sr. Candido, der jahrelang unter holländischer Flagge zur See gefahren ist und uns in die Kunst der Schnapsbrennerei einweist und auf die die einzige Likörfabrik der Insel, die aus einheimischen Früchten wundervoll kreative Marmeladen und Liköre herstellt. Die nehme ich auf jeden Fall in mein Programm auf.

Das Beste gegen Muskelkater ist: neben Grogue, tanzen. Da tue ich auch im Gato, leider ohne meinen Lieblingssänger, denn der ist ja noch auf Familienbesuch, wie er mir in Mindelo erzählt hatte.

 

Ein Valentinstag für mich, Donnerstag, den 14.

Donnerstag, den 14.

Ein Valentinstag für mich.

Ich nehme einen weiteren Anlauf, einen bestimmten Weg zu finden und zu gehen. Diesmal alleine.

Ein Blick vom Lombo Branco

Ein Blick vom Lombo Branco

Mein kleiner Jakobsweg für mich. Ich werde mit Hinweisen auf den richtigen Weg gut begleitet und wandere durch nette Dörfer und einsame Täler, wo mir doch schon ein wenig mulmig ist, so einsam wie es da ist.

Aber alles geht gut und ich genieße zauberhafte Ausblicke. Ein Fitnesstraining auf mehreren Ebenen für mich bevor es nächste Woche richtig losgeht.

Staubig, verschwitzt und zufrieden gehe ich noch bei Teresa vorbei.

Tereza im Gato Preto

Tereza im Gato Preto mit Elisabet

Müde sitzt sie an ihrem Tisch und wartet auf Gäste. Es ist nicht einfach hier als Ausländer zu leben und ein Geschäft zu betreiben. Die Uhren ticken hier schon ziemlich anders. Ich biete ihr den Schlüssel zu meiner Wohnung an, dass sie sich einfach mal eine Auszeit gönnen kann. Schließlich ist es ihr Haus und sie hatte es gebaut, um selbst mit ihrem damaligen Mann da zu wohnen. Aber auch Sonne und Palmen können Scherben nicht kitten.

Sie nimmt mein Angebot mit einem kleinen versuchten Lächeln an.

Passend zur Beendigung der Dusche und der Wäsche fällt der Strom und somit das Wasser aus.

Gute Nacht.

Der kleine Jakobsweg beginnt, Samstag, den 16.

Samstag, den 16.

Die Reise beginnt

Carla und ich am Ponta da Aqua

Carla und ich am Ponta da Aqua

Carla steht am Hafen, denn wir wollen die TeilnehmerInnen gemeinsam abholen. Sie freut sich, war sie das letzte Mal vor 4 Jahren in Mindelo. So mache ich, die Deutsche mit der Kapverdianerin von der Nachbarinsel eine kleine Sightseeingtour und erlebe auch die Stadt wieder ein wenig neu. Noch ist Zeit, Lino zu besuchen, einen Bekannten, den ich über eine Freundin kennen gelernt habe, die mit einem Kapverdianer verheiratet war und nach Mindelo ziehen wollte. In das Heimatland ihres nach langer Krankheit verstorbenen Mannes. Sie wollte uns ein Teil der Reise begleiten. Dazu kommt es leider nicht, denn sie wurde kurz vor Weihnachten tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Für uns alle ein großes Rätsel. Für Lino auch, und so trauern wir beide über eine liebe Person und um einen unrealisierten Traum. So schnell kann es gehen. Das wird mich und auch meine

Abendstimmung am Hafen von Mindelo

Abendstimmung am Hafen von Mindelo

Gäste immer mal wieder auf der Reise beschäftigen. Leben, wann, wenn nicht jetzt.

Schließlich ist es Zeit zum Flughafen zu fahren und die Aufregung steigt, wer wird es sein?

Gerade die Richtigen! Wir freuen uns alle und nach einer kurzen Pause bummeln wir durch das Städtchen. Es ist so schön, meine Begeisterung geteilt zu sehen. Nach einem anregenden Abendessen im Chave geht es früh zu Bett. Carla (und mit ihr ihr Projekt ) hat im Sturm alle Herzen erobert.   Wie schön!

Ankommen und ein Willkommen auf Santo Antao, Sonntag, den 17.

Sonntag, den 17.

Ankommen auf Santo Antao

selbstgemachte Köstlichkeiten im Curral

selbstgemachte Köstlichkeiten im Curral

Der vorübergehende Abschied von Carla wird abgemildert durch das herzliche Willkommen im Curral von Alfred und Christine. Dies wird für die nächsten 3 Tage unser Basislager.

Ein gedeckter Tisch wartet auf uns und Alfred mit seinen Geschichten, Projekten und Plänen.

Blick in eins der schönsten Täler von San Antao

Blick in eins der schönsten Täler von San Antao

Er hat vor 30 Jahren den sanften Tourismus hier aufgebaut, organisiert immer noch höchst individuelle Reisen und hat mit liebevollem Blick noch weitere Pläne, was dieses Land weiter bringen kann. Nein, er sei kein Aussteiger (auch wenn es so aussieht), sondern ein Einsteiger. Die Zeit verfliegt, so viel Interesse besteht an seinen Ideen und Perspektiven.

Dennoch, ich „verordne“ eine Pause, ein Ausruhen, denn ich würde gerne mit ihnen zu Einstimmung noch eine kleine Tour machen.

Auf dem Weg nach Teixere finden wir einen Vorgeschmack darauf, was wandern hier bedeuten kann, Tipps, wie man die Berge hier und die anderen im Alltag im übertragenen Sinne besser bewältigen kann und wundervolle Ausblicke über das Tal bis hin zum Meer.

Köstlichkeiten aus der einheimischen Küche runden den ersten Tag ab.